Medienkompetenz entsteht nicht durch Belehrung, sondern dort, wo junge Menschen selbst zu Fragenden werden.
Woran erkennen Jugendliche, ob eine Nachricht stimmt, wenn selbst Erwachsene bei KI-Bildern ins Grübeln kommen? Am 1. Oktober 2026 gab es darauf in Potsdam-Babelsberg eine ermutigende Antwort: Bei der 15. Netzwerktagung Medienbildung Brandenburg wurde das Projekt „Echt jetzt?! Nachrichten-Scouts“ der pro juve Kinder- und Jugendhilfe mit dem Förderpreis „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“ 2026 ausgezeichnet.

Der Förderpreis 2026 geht an „Echt jetzt?! Nachrichten-Scouts“ von pro juve. Foto: Albrecht Lehrmann
Eine Tagung über den KI-Hype
Unter dem Titel „Es denkt nicht, es denkt nicht?“ fragte die Tagung im Medieninnovationszentrum Babelsberg, was der KI-Hype für Bildungsprozesse bedeutet. Eingeladen hatte der Landesfachverband Medienbildung Brandenburg in Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), im Rahmen der Initiative „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“. Mit 110 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.
Zwei Keynotes, eine Podiumsdiskussion, ein Markt der Möglichkeiten und zwei Workshop-Phasen zeigten, wie unterschiedlich man auf das Thema schauen kann. Ein Satz aus dem Vortrag von Dr. Isabell Runge von der Universität Potsdam bleibt hängen: „Potenzial bedeutet nicht automatisch Wirkung.“ Das gilt für KI im Unterricht, und es gilt für jede pädagogische Idee.
Aus der pädagogischen Praxis: Werkzeuge wirken erst, wenn eine Beziehung sie trägt. Ein Tablet erklärt keinem Jugendlichen, warum ihm eine Schlagzeile Angst macht. Das kann nur ein Mensch, der zuhört.
Die Verleihung der Förder- und Anerkennungspreise
Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung der Förder- und Anerkennungspreise 2026 durch die mabb und das MBJS. Mit diesen Preisen werden Projekte und Initiativen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für Medienkompetenz in Brandenburg einsetzen und neue Ansätze in der medienpädagogischen Arbeit entwickeln.
Aus Trägersicht: Eine Auszeichnung ist mehr als eine Urkunde an der Wand. Sie zeigt Jugendämtern, Partnern und dem eigenen Team, dass Qualität sichtbar wird, und sie gibt Rückenwind für die nächsten Schritte.
„Echt jetzt?! Nachrichten-Scouts“: worum es geht
Das Projekt ist ein Peer-to-Peer-Bildungsprojekt zur Medien- und Nachrichtenkompetenz in einer Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe. Jugendliche werden zu Nachrichten-Scouts ausgebildet. Sie lernen, Quellen zu prüfen, Deepfakes und KI-Bilder zu erkennen und Empfehlungen einzuordnen, und sie geben dieses Wissen an andere weiter.
- Beziehung zuerst: eine passgenaue, beziehungs- und ressourcenorientierte Unterstützung statt Belehrung von oben.
- Wissen und Machen: Wissensvermittlung gehört zusammen mit eigener Medienproduktion.
- Ergebnisse zum Anfassen: ein Podcast „Fakt oder Fake“, ein Kartenspiel, Postkarten und selbst entwickelte Aushänge.
Aus Elternsicht: Wer zu Hause erlebt, dass ein Kind beim Abendbrot fragt „Woher weißt du das eigentlich?“, hat keinen frechen Teenager am Tisch, sondern einen jungen Menschen, der denken gelernt hat.

Ein paar Worte des Dankes auf der Bühne. Foto: Albrecht Lehrmann
Fazit: Der Preis gehört den Jugendlichen
Die Auszeichnung gehört zuerst den jungen Menschen, die sich getraut haben, Fragen zu stellen, die viele Erwachsene nicht mehr stellen: Woher weiß ich das? Wer hat das gemacht? Wem nützt es? Genau das ist der Kern von M3LB: Motivation hoch drei, ist lernen durch Bindung. Medienkompetenz wächst in Beziehung, und sie wächst, wenn Jugendliche selbst Wissen weitergeben dürfen.
Mein Dank gilt dem Team von pro juve, dem Landesfachverband Medienbildung Brandenburg, der mabb und dem MBJS, und allen, die an diesem Tag mitgefeiert haben.
Quellen:
- Landesfachverband Medienbildung Brandenburg: Rückblick auf die 15. Netzwerktagung 2026
- Urkunde und Graphic Recording der Preisverleihung vom 1. Oktober 2026
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